Mauritius

 

Nach der Landung auf Mauritius geht es quer über die Insel durch hellgrüne Zuckerrohrplantagen (so grün, dass es fast im Auge schmerzt), während nadelspitze Berggipfel an einem vorüberziehen. Über all dem hängt eine weiche, graue, warme Wolkenschicht.

 

Am nächsten Tag sticht die Sonne von einem wolkenlosen Himmel und leuchtet den Ozean in den schönsten Blau- und Türkistönen aus. Als ersten Tauchplatz besuchen wir das Wrack der Jabeda (manchmal auch Djabeda geschrieben) vor der Insel Coin de Mire. Das Wrack liegt in einer Tiefe von 20 bis 30 Metern und ist herrlich mit rosa Weichkorallen bewachsen, vor denen Gruppen von Blaustreifenschnappern vor sich hindösen. Zwei Skorpionsfische von beachtlicher Größe liegen regelmäßig an Deck und lassen sich teilnahmslos ausleuchten und fotografieren (business as usual eben). Neben dem Bug am Sandboden finde ich zwei Seegrasgeisterpfeifenfische. Die Laderäume und Luken der  Jabeda sind so groß, dass sie auch von ungeübten Wracktauchern leicht durchschwommen werden können. Schade, dass die Basis kein Nitrox anbietet, so muss nach 15 bis 20 Minuten am Wrack der Weg nach oben angetreten werden. An den seichteren Teilen des Riffs vor Coin de Mire reißt eine blaue Geistermuräne ihr Maul auf und zu. Ich finde einige Schnecken, Nembrotha kubaryana, eine meiner Lieblinge. Auch in den oberen Bereichen finden sich einige Weichkorallen, der restliche Korallenbestand ist gnadenlos ausgebleicht. Gruppen von Leuchtfleck-Straßenkehrern schweben über den grauen, traurigen Resten eines Steinkorallengartens. Zwei Steinfische begegnen mir während eines Tauchgangs, einer rosarot wie mit Zuckerguss, der andere mit grünen Algen bewachsen, ein Troll aus der Tiefe. Vor Coin de Mire finden sich noch einige andere Tauchplätze, unter anderem ein sanfter Abhang mit einer Menge Seefächern, in denen zahlreiche Langnasenbüschelbarsche sitzen.

 

King Fish Canyon, ein Riff im Kanal zwischen Coin de Mire und Mauritius will uns das Verweilen nicht gestatten und spült uns mit der Strömung weg, während Schulen von Fledermausfischen an uns vorüberziehen.

 

Ca. 22 Kilometer nordöstlich von Mauritius liegt das kleine Round Island, das nicht betreten werden darf und auf der die dort endemische Kielschuppenboa lebt. Neben der Insel befinden sich so eine Art Unterwasserkessel und einige Höhlen, in denen sich meist größere Gruppen von Grauen Riffhaien aufhalten. Neben Round Island liegt das noch kleinere Snake Island (Serpent Island), auf welcher es eben übrigens keine Schlangen gibt, dafür aber gefühlte Millionen von Seevögeln, die dort nisten. Beim Auftauchen ist der Himmel bedeckt mit Vögeln (als ob es Vögel schneien würde) und die Luft voller Gekreisch. Einige besonders vorwitzige Exemplare stoßen herab, bremsen ca. einen halben Meter über unseren Köpfen ab, kreischen uns etwas in ihrer für uns unverständlichen Sprache ins Gesicht und steigen (eindeutig lachend und kichernd) wieder auf. Vergessen Sie übrigens Ihre Seekrankheitstabletten nicht, wenn Sie diesen Ausflug machen, auch hier werden von den Tauchgästen regelmäßig die Fische gefüttert (nein, ich diesmal nicht).

 

Ich will jetzt am Ende nicht Mark Twains Zitat wiederholen, das im Übrigen völlig aus dem Zusammenhang gerissen wurde, aber so ein bisschen etwas Paradiesisches hat Mauritius schon an sich, auch wenn Korallenbleiche und maßlose Überfischung ein etwas schales Gefühl in der Magengegend hinterlassen.

 

 

 

Februar 2018

 

 

 

 

 

 

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© Christine Rauter