Sal/Kapverden

 

 

 

Die kleine Insel Sal vor Westafrika empfängt einen mit trockener Kargheit, verdorrten Büschen, wüstenartiger Landschaft und überirdisch schönen Sandstränden. Hinter zum Teil mehreren hundert Meter breitem Sandstrand schimmert das Meer in hellsten Türkistönen bis Dunkelblau. Noch halten sich die Touristenmassen in Grenzen, doch es wird eifrig gebaut auf Sal. Neben ein paar wenigen Bettenburgen dominieren derzeit noch kleinere Unterkünfte; auch ich hatte mich privat in Santa Maria eingemietet - ein kleines Städtchen mit pittoresken Straßen und Häusern und afrikanischem Flair. Beim täglichen Gang durch die Stadt zur Tauchbasis wird von den Straßenhändlern bald eingesehen, dass ich nichts kaufen will und ich erhalte den Namen "Ladyboss", was mir natürlich ungemein gefällt.

 

Die erste Tauchausfahrt auf dem Zodiac bringt zum einen die Erkenntnis, dass meine von zu Hause mitgebrachten Tabletten gegen Seekrankheit völlig wirkungslos sind und zum anderen, dass Fische unglaublich auf halbverdaute Smarties stehen (ich bin bei den schuppigen Freunden an diesem Tag der beliebteste Taucher der Gruppe). Nachdem ich am nächsten Tag von der Tauchbasenleiterin mit Tabletten versorgt werde (und auch noch zusätzlich eine meiner eigenen geschluckt hatte), versuche ich es noch einmal mit dem Ostatlantik. Tres Groutas, hübsche Grotten und Überhänge mit einer Unzahl an Trompetenfischen, Muränen und Schnecken. Samtig grün-schwarz gestreift, gelb-blauschwarz gewellt, mit Tupfen, Fadenschnecken in Pink und Weiß kriechen über den Meeresboden. Schlangenaale lugen aus dem Sandgrund. Eine riesige Schildkröte döst in einem der Überhänge. Trotz strengen Verbots werden sie auf den Kapverden immer noch illegal gefangen.

 

Etwas weiter draußen am Meer liegt der Tauchplatz Choclassa, für den wir zwei Anläufe benötigen, weil beim ersten Mal die Strömung zu stark ist und eine Befestigung des Bootes an der Boje unmöglich ist, weshalb wir wieder umkehren müssen. Beim zweiten Anlauf bin ich, wie nunmehr bei jedem Tauchgang, absolut mit Seekrankheitstabletten gedopt (ich verrate nicht, wie viel ich geschluckt habe). Auch diesmal fordert der Meeresgott seinen Tribut in Form des Frühstücks, diesmal allerdings von allen anderen Mitgliedern der Tauchgruppe, nur nicht von mir. Auch Choclassa besteht aus Überhängen, in denen sich Tausende von Doktorfischen vor der Strömung verstecken und die zur Gänze mit gelben Krustenanemonen überzogen sind. Ein leuchtend gelber Teppich überzieht Wände und Decken der Überhänge, in Zwischenräumen verstecken sich Langusten und Lobster. Müsste ich den schönsten Tauchplatz der Insel küren, so wäre es mit Sicherheit dieser.

 

Die meisten Tauchplätze finden sich im Umkreis von Santa Maria, unter anderem auch das Wrack Kwarcit (auch Boris genannt). Mit Korallenreichtum geizt die Insel, nicht dagegen mit Wellen, Strömung und Dünung und einer beeindruckenden Unterwasserwelt aus Basaltgestein, Sandflächen, Überhängen mit unzähligen Soldatenfischen, Doktorfischen, Trompetenfischen, Muränen, Anglerfischen, Schnecken, Langusten, Hummern und Schildkröten.

 

Als am letzten Abend die Sonne über Santa Maria untergeht, denke ich wehmütig, "Afrika, was bist du schön ...".

 

 

Mai 2016

 

 

 

 

 

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© Christine Rauter