Moalboal

 

Mein Taxi bahnt sich über die enge, staubige, löchrige Straße mitten durch Bataillone von hupenden Mopeds, klingelnden Tricycles, kläffenden Hunden und Touristen in Badekleidung hindurch den Weg zu meiner Unterkunft. Ich fahre an Läden vorbei, die um 1000 Pesos ein „surprise tattoo“ anbieten, ich frage mich, was man um diesen Preis erhält, will es aber lieber nicht ausprobieren.

 

Am nächsten Tag betauche ich gleich morgens den berühmten Sardinenschwarm von Moalboal. Auch dieser ist – ebenso wie die Fuchshaie auf Malapascua – seit meinem letzten Besuch umgezogen und residiert jetzt direkt am Hausriff meiner Tauchbasis. Das bedingt aber eine Unmenge an Tauchern, Schnorchlern und Booten; ein Getümmel, das der Sache - zumindest an der Oberfläche - ziemlich den Zauber nimmt. Unter Wasser, in der blauen Stille des Ozeans, gleiten dann Millionen und Abermillionen gleißend-silbrig-glänzende Fischleiber spiralförmig an mir vorbei, kreiseln, ballen sich zusammen und fließen wieder auseinander – wie ein gewaltiges, einen halben Kilometer großes aus Fischen bestehendes Herz pulsiert der Schwarm ohne Unterlass. Grau-gleißend und in endlos scheinender Bewegung. Ich fühle eine unendlich große Energie und Kraft, anders lässt sich das einfach nicht beschreiben. Nach dem Auftauchen bahne ich mir euphorisch wieder meinen Weg an den Strand durch Freitaucher, Schnorchler in Schwimmwesten und hupende Boote hindurch, sogar ein großer zotteliger Hund paddelt begeistert durch das Wasser! Hier schlägt eindeutig das Herz von Moalboal, das den gesamten Ort mit Energie versorgt.

 

Ich mache diesen Tauchgang nur ein einziges Mal, weil ich Angst habe, dass sich der Eindruck dieser riesigen energetisch aufgeladenen, silbrig-grau pulsierenden Masse bei einem weiteren Tauchgang relativieren würde.

 

Ansonsten fröne ich der Jagd nach Anglerfischen – hauptsächlich Riesenanglerfische liegen wie Ostereier irgendwo in den herrlich bewachsenen Steilwänden: Orange, rosarot, schwarz, gelb und beige…

 

Grüne Meeresschildkröten schweben – oft auch schlafend mit geschlossenen Augen – an uns vorüber.  Herrlich bewachsene Steilwände wellen sich vor allem bei Lo-oc und Pescador Island in Rosa, Gelb und Rot in die Tiefe. Shrimps und Orang-Utan Crabs sitzen in ihren bequemen Kissen in Blasenkorallen. „The Cathedral“ bei Pescador Island überspannt mit einer gewaltigen Kuppel den darunterliegenden blauen Raum - hier beginne ich zu verstehen, warum Tauchen manchmal auch als die „Raumfahrt des kleinen Mannes“ bezeichnet wird.

 

Jeden Abend blicke ich in den Sonnenuntergang in Richtung der Insel Negros während die letzten Schwimmer die gold glänzende Oberfläche durchpflügen und denke an das direkt am Strand unter der Wasseroberfläche schlagende Herz von Moalboal – den gewaltigen Sardinenschwarm.

 

Jänner 2026

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© Christine Rauter