Es regnet in Strömen, die Wellen machen die Überfahrt auf Malapascua fast unmöglich – und das, obwohl eigentlich die trockene Jahreszeit sein sollte. Das Auslegerboot wird fast zur Gänze von Wellen überspült und meine Schuhe und mein Gepäck mit Salzwasser durchnässt. Es ist trist, einzelne Plastikflaschen und Holz driften im grauen Wasser. War Malapascua vor dreizehn Jahren (vor dem Taifun Yolanda) noch irgendwie einem Malediventraum gleich zu setzen, so hat die Insel seither ihren landschaftlichem Charme ziemlich eingebüßt – große Teile des Strandes wurden durch den Taifun weggespült, die wundervollen Palmenhaine entwurzelt und – scheinbar unvermeidlich – wurde auch viel gebaut, Müll und Glasscherben findet sich verteilt über den Strand.
Unter Wasser jedoch ist der Garten Eden erhalten geblieben, fast noch üppiger und verschwenderischer als je zuvor! Die Fuchshaie haben die Adresse gewechselt und sind von Monad Shoal nach Kimud Shoal umgezogen. Wie graue, seidig glänzende Geister mit riesigen schwarzen Augen und einem immer geöffneten Maul gleiten die Tiere über die üppigen Weichkorallen am Plateau und lassen sich von dutzenden Mondsichellippfischen putzen. Ein gelb-roter Warzenanglerfisch hockt unter dem Schirm einer Steinkoralle, zwei Oktopusse turnen an der Mooring Leine. Die Kugelfische, Skorpionsfische und Muränen beachtet hier niemand, alle beobachten die eleganten Fuchshaie mit ihrer langen Schwanzflosse, die sie wie einen Wimpel hinter sich herziehen.
Das Wetter bessert sich die ganzen zwei Wochen nicht wirklich, einen einzigen sonnigen Tag mit knallblauem Himmel nutze ich für die Ausfahrt nach Gato Island, das bereits aus der Ferne als gewaltige, schroffe, grün bewachsene Felsenkuppel am Horizont glänzt. Dort dösen Weißspitzenriffhaie in Überhängen, während sich davor schwarz-weiß gestreifte Seekobras durch die Riffblöcke schlängeln. Ein grellroter Anglerfisch hockt wie eine kleine Kartoffel reglos am Boden und beobachtet das Treiben. Sepien, Geisterpfeifenfische, pinke, blau-gelbe, rot-weiße Schnecken, Seesterne in blau, gelb-rot, geometrisch gemustert, Schnecken mit einem Saum wie eine Flamenco Tänzerin, himmelblaue Plattwürmer – es ist wie bei Alice im Wunderland.
Bei Dakit Dakit finden wir Seepferdchen ohne Ende, schwangere Kerle und zauberhafte, helle weibliche Exemplare; ein grellroter Skorpionsfisch starrt ins Nichts, gepunktete Plattwürmer ziehen über den Grund.
(Fast) jeder Tauchgang ist ein Höhepunkt: Die possierlichen Mandarinfische am Evo Riff, Anglerfische, Schnecken, Pygmäenseepferdchen, durchscheinende Shrimps, Seenadeln, eine herrlich leuchtende Prachtsepie.
Es scheint: Die Schönheit auf Malapascua ist von über der Wasseroberfläche nach unten diffundiert…
Jänner 2026