Zypern

 

 

Eine wettergegerbte Insel mit tiefblauen und türkisen Buchten, schroffen Felsen, einem blühenden Küstenstreifen und Feldern mit Tomatenstauden, die sich in Reih und Glied dahinziehen, durchsetzt mit meist sehr dicht – fast großstädtisch – bebauten, goldenen Sandstränden präsentiert sich mir bei meinen Wanderungen über die Ostküste Zyperns. In den Ortschaften reihen sich Eisdielen, Pubs und Sportbars aneinander, das britische Erbe ist unvergessen, im Restaurant werde ich „darling“, „lovely“ oder „sweety“ genannt.

 

Auch die Unterwasserwelt ist kosmopolitisch, es wimmelt nur so von Rotfeuerfischen, Flötenfischen und Kugelfischen aus dem Roten Meer, selbst gelb gepunktete Schnecken, goniobranchus annulatus sind über den Suez Kanal eingewandert. Beim Tauchplatz „Caves“ eilen fünf Seepferdchen über den Grund, endlich ein paar Einheimische! Sie sind derart leicht zu entdecken und auch derart aktiv, dass ich denke, vermutlich nur die Spitze des Eisbergs gesehen zu haben, vermutlich waren noch viele mehr im Seegras versteckt. Bei den „Caves“ finden sich auch einige (nomen est omen) unirdisch blau schimmernde Höhlen, die zu durchschwimmen mir ein fast feierliches Gefühl verursacht, eine eher flach, aber unglaublich breit und mit hellen Kieselsteinen ausgelegt, sodass man am Ende wieder ins durchscheinende hellere lichte Blau gelangt. Auch einige Wracks betauche ich, das kleine Nemesis Wrack, das ebenfalls recht kleine Liberty Wrack und natürlich die Zenobia. Letztere scheint bereits als gewaltiger Schatten bis an die Oberfläche, als ich beim Wrack ankomme verschlägt mir die gewaltige Größe des versunkenen Schiffs fast den Atem – man benötigt jedenfalls zwei Tauchgänge, um das Wrack auch nur oberflächlich zu inspizieren. Einige kleinere Zackenbarsche verstecken sich im Wrack und beäugen die Kurzzeitbesucher kritisch. Überall strecken Röhrenwürmer ihre Tentakel in die Strömung. Einige rosarote Fadenschnecken kriechen außen über die Bordwände.

 

Mit viel Glück, das ich allerdings nicht hatte, lassen sich zumindest nach Auskunft der Tauchbasis auch Mönchsrobben beobachten, die in einer kleinen Kolonie an einem unbebauten Strand hausen.

 

Trotz des verbauten, großstädtischen Flairs und dem wahrhaft horriblen Essen (danke liebe Briten!) ist Zypern mit seinen herrlichen türkisen, glasklaren Buchten, der schroffen karstigen Küste, die sich mit hellen Sandstränden abwechselt,  und den ebenso herrlichen Tauchgängen für mich ein Sehnsuchtsort im östlichen Mittelmeer, wo schon ein bisschen der Wind des Nahen Ostens hereinzuwehen scheint und sich mit griechischer Lebensweise und britischem Erbe vermischt.

 

 

Mai 2026

 

 

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© Christine Rauter