Grüne, mit Pinien- und Kiefernwäldern bewachsene Hügel und Berge fallen mal sanft, mal steil zur glatten spiegelblauen Adria ab. Auf vielen der Hügel thronen mittelalterliche, von venezianischer Herrschaft geprägte Städtchen und Bergdörfer. Viele kleine funkelnde Buchten mit hellen Kieselstränden und geschäftige Hafenstädtchen fassen die Küste wie eine Halskette ein. Die weiche Juniluft streicht sanft über die Wälder und silbrigen Olivenhaine. In den Konobas riecht es nach Salbei, Trüffeln und Rosmarin, Pizza sowie dem salzigen Geruch des Meeres.
Unter Wasser finde ich im algigen Bewuchs Schnecken, Schnecken, Schnecken. Die Fadenschnecken und Leopardenschnecken lassen sich kaum mehr zählen, aber auch ein gestreifter Plattwurm von winziger Größe windet sich durch die Algen. Ein Federstern strampelt durchs Wasser, eine Lungenqualle pumpt sich ihren Weg nach oben. Gestreifte Flügelschnecken und noch winzigere grüne Samtschnecken kleben auf Schwämmen. Knallgelbe, weißgepunktete Warzenschnecken geben ein Leuchtfeuer inmitten der bräunlichen Algen ab. Kleine Drachenköpfe stieren in die Luft. Röhrenwürmer lassen ihre Tentakeln in der Strömung wiegen, Seesterne kriechen über den Grund.
Grün-bräunliche Steilwände und Täler, Spalten und Kuppen, stapeln sich gleich einer Gebirgslandschaft in Richtung Tiefe hinab – oft von einem leichten Grauschleier und nebeliger Trübe umgeben. Ein Mittaucher, der bisher nur in Südostasien getaucht ist, erklärt, die Farbenpracht tropischer Meere und deren Bewohner sowie die türkise Klarheit des Wassers zu vermissen. Ich bin hingegen wieder fasziniert vom filigranen Bewuchs, den mannigfaltigen Strukturen des braun-grünen Meeresgrundes, den wulstigen Seeanemonen, den farnartigen Fächern, den seidigen Tentakelkronen der Röhrenwürmer, den kugel-, fächer-, netz- und fadenförmigen Formen des mannigfaltigen Lebens in der oberen Adria.
Juni 2026